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Irland verändert

Und hier ein weiterer Gastbeitrag von meiner hochverehrten Irish Sarah

Irland verändert

Ich wohne seit drei Jahren in Dublin und ich liebe diese Stadt und glaube fest daran, dass man diese Stadt entweder liebt oder hasst. Wenn ich durch die Straßen Dublins gehe dann kribbelt es in mir überall, so viel Geschichte und Leid und Tod und Liebe und Unabhängigkeit auf so einer kleinen Fläche gibt’s nirgendwo anders. Irland wurde 800 Jahre von den Briten belagert und besetzt bis die „Brits“ endlich das Land verließen in den 40er Jahren. Deswegen wird auch in vielen Pubs am meisten in der North Inner City und South Inner City, das Lied „Go on home British Soldiers“ gespielt, wo der Refrain zwischen den historischen und neuen Gebäuden verhallt. Der Refrain(„Go on home British Soldiers, Go on home. Have you got no fuckin home of your own? For 800 years, we fought you without fears and we fight you for 800 more“) mag für uns sehr fremdenfeindlich gegenüber den Briten klingen, aber wir Deutschen können dazu nicht wirklich was sagen, denn wer hat uns schon 800 Jahre besetzt?? Ich glaube Deutsche können da nicht wirklich mit reden, denn jeder, der in Deutschland auch nur ein bisschen Patriotismus zeigt wird als Nazi oder Rechtsradikaler abgestempelt, deswegen mach ich dieses Land und vor allem diese Stadt so, denn hier wird Patriotismus gezeigt und zwar in einem gesunden Mittelmaß zwischen den Yanks (Amerikaner werden hier liebevoll so genannt) und den Germans (so werden wir liebevoll bezeichnet).

Dublin ist Hauptstadt und dabei so groß wie Leipzig, haha denkt sich da ein jeder Festlandeuropäer wie niedlich. Außerdem ist Dublin in Norden und Süden unterteilt. Die Grenze ist der Liffey (Fluss durch die Mitte der Stadt). Die Leute von der Südseite sagen, der Norden sei arm und mehr Knacker (nacker gesprochen, Schimpfwort für Junkies, Assis…) würde dort wohnen als auf der Südseite, Bono und Sinead O`Connor wohnen auf der Südseite und ratet mal wo die geboren und aufgewachsen sind??? Jaaaa auf der Nordseite…hihi und auch noch in relativ armen Verhältnissen…

Wenn man in Dublin auf die Straße geht kann es durchaus passieren, dass Beyonce oder Bono oder Pink an einem vorbeiradeln, denn die fahren hier regelmäßig Fahrrad wenn sie hier sind, also keine Seltenheit und die Leute, die hier wohnen sind nicht wirklich fasziniert.

In Dublin kennt jeder jeden, wie ein kleines Dorf…was nett aber auch manchmal ziemlich nervend sein kann…und wir sind nicht wirklich die sicherste Stadt Europas aber auch nicht die gefährlichste. Amerikanische Pässe und Bargeld sind immer gern genommen bei rumänische Zigeunern, die sich lauthals anschreien und über die besten Bettelplätze streiten, manchmal eben auch in der Mitte eine sehr sehr belebten Fußgängerzone. Dann werden die Gardai(gardiiii) gesprochen gerufen und die Zigeuner dürfen dann eine Nacht in Gewahrsam verbringen bevor sie wieder auf die arbeitenden Bevölkerung, die Junkies und alle anderen Leute in Dublin losgelassen werden. Junkies stehen in Gruppen und tauschen öffentlich ihr Methadon, manchmal findet man Spritzen auf dem nach Hause weg, es gibt viele Obdachlose und Junkies, aber nicht alles ist schlecht hier, die Leute sind freundlich und man wird sofort in Gespräche und Konversationen integriert und kriegt entweder a cup of tea oder einen Pint in die Hand. Die Leidenschaft und Liebe für ihre Stadt und ihr Land hat so viele Iren sterben lassen, dass es einen wundert als Deutschen…Spuren kann man nahezu überall finden…als Deutsche/r ist man hoch gehandelt, denn wir sind alle pünktlich und sehr effektiv. Wenn man von Deutschland nach Irland zieht, dann geht man back to basics, denn alles ist sehr teuer, die Wohnungen alle minimal klein, aber dafür doppelt so teuer, die Straßen sind viel kleiner und schlechter als in Deutschland und die Leute leben hier in einer anderen Zeit. Ich lebe hier mit viel weniger Geld als zu Hause, in viel weniger Raum als zu Hause bin aber mindestens eine Million mal glücklicher als ich es zu Hause je hätte werden können…


Natürlich wollte ich sofort wissen welche Promis Irish Sarah schon so an sich vorbei spazieren sah. Denn für mich ist das durchaus noch etwas Besonderes.
Die Antwort: Bono, Sinead O`Connor, Roger Moore, Bob Geldof.
Ich find's beeindruckend.

4 Kommentare 2.9.09 00:49, kommentieren

Die verrückten Nächte allein zu Haus

Wir sind ein paar Freche sage ich euch. Heute früh 3.15 haben Einbrecher sich über das Bett unserer Eltern her gemacht.
So sah es aus.



Dann kamen wir Einbrecher.



Sie haben die Beten abgezogen und nach allerlei Lärm kamen sie geschafft aus dem Zimmer. Nachdem die Einbrecher wieder weg waren waren die Betten so bezogen:




Sind wir nicht total crazy? Ich kann es manchmal selbst nicht fassen, wie hoch der Grad an Beklopptheit bei uns so steigen kann. Schon heute früh stellten wir fest:
"Unsere Eltern haben echt doofe Kinder."

Leider hatten wir keine anderen knalligen Farbe so dass das Ergebnis von unseren Eltern fast gar nicht bemerkt wurde.
Naja dieses Mal war eine Warnung, aber nächstes Mal wird es ernst. Wir machen die Stecker aller Küchengeräte in die Steckdosen und nehmen sie nicht heraus wenn wir die Wohnung verlassen. Werden wir ja sehen was sie dazu sagen werden. Nicht zu unterschätzen so ein Toaster mit Stromversorgung.

Wir betrachten unsere Aktion heute früh übrigens als Kunst. Nenne wir es einfach eine Installation. Hätten wir uns noch hineingelegt, dann wären wir wie Yoko und John gewesen.

6 Kommentare 6.9.09 13:27, kommentieren

Das liebe Geld....

Demnächst werde ich meine Ausbildung beenden. Und natürlich möchte auch ich dann eine Arbeitsstelle haben. Mir war aber ehrlich gesagt nicht bewusst wie extrem teuer so eine Bewerbung überhaupt ist. Das kann man jetzt realitätsfern nennen, aber ich habe mich da ganz schön auf den Arsch gesetzt.

Schon bei den Bewerbungsschreiben war ich negativ überrascht: Für 10 Bewerbungsschreiben.
25€ für Passbilder
25€ für Bewerbungsmappen
80€ für 2 Druckpatronen
ca. 30€ für Briefmarken (inklusive frankiertem Rückumschlag.)

Und dabei sind kleinere Posten wie gutes Papier und Briefumschläe natürlich nicht eingerechnet.
Ich dachte ich hätte das Schlimmste überstanden. Falsch gedacht. Erst als die ersten Einladungen zu Bewerbungsgesprächen kamen bin ich so richtig in der Realität angekommen.

Ein Zugticket nach Stuttgart für den gewünschten Tag kostet 170€ (Hin- und Rückfahrt). Ich schreibe es gern noch einmal damit man sich das auf der Zunge zergehen lassen kann:

170€!

Da ich mich bei meiner zukünftigen Arbeitsplatzwahl eher weiter von zu Hause weg orientiert habe, wrd das wohl preislich so weiter gehen.
Nehmen wir mal an, also rein hypothetisch, ich würde überall zu einem Auswahlgespräch eingeladen werden. Also wirklich nur rein hypothetisch.
Da würde ich ja ca. 1700€ nur für Zugfahrten ausgeben. Eher noch mehr da einige Orte auch noch weiter weg liegen. Das ist doch frech oder? Dabei ist noch nicht einmal Bus, S-Bahn und Co. eingerechnet da mich die Deutsche Bahn ja nicht direkt vor meinem Wunschort abliefert.
Da ist Fliegen ja günstiger.
Kein Wunder dass keiner mehr mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren will. Beim Geld hört nämlich die Liebe zur Natur bei mir auf.

Ist das normal? Sind die Preise normal? Da muss ich ja einen Kredit aufnehmen um mich zu bewerben. Also mich hat fast der Schlag getroffen - realitätsfern oder nicht.
So das wollte ich jetzt aber wirklich mal loswerden.

6 Kommentare 12.9.09 13:56, kommentieren

Was die Leute sagen und was sie wirklich sagen

Eine Frau mit Dreads, Brille und riechenden Schlabberklamotten die im Zwiebellook an ihr herunterhängen steht vor einem Stand mit Holzprodukten auf einem Markt für altes Handwerk. Sie zeigt auf ein einfaches kleines Holzkästchen ohne Verzierungen.

"Guten Tag, was ist denn das?" (Guten Tag was ist denn das?)

"Ein Wunschkästchen. Da spricht man einen Wunsch hinein und....(Muss ich wieder dieses übernatürliche Gedöns absondern....)

"Danach wird das Kästchen gaaaanz groß?" (Ich bin Sozialpädagogikstudentin.)

"Nein! Das ist aus Holz. Man trägt es bei sich oder verschenkt es." (Gott, kommt die von der Waldorfschule?)

"Aber bestimmt hat es heilende Kräfte?" (Bitte bemerken Sie dass ich mich mit Metaphysik auskenne, und nicht die konventionellen Pfade der Schulwissenschaft gehe. Denn ich bin individuell.)

"Nein! Es ist aus Spanplatte. Eines kostet 30€." (Ah, eine Sozialpädagogikstudentin!)

"Ich nehme es!" (Diese freundliche Frau hat mich so nett beraten, dass ich gar nicht aners kann als ihr etwas abzukaufen. Und ich wette auch sie kämpft den harten täglichen Kampf ums Überleben, bei dem ich sie hiermit unterstütze.)

2 Kommentare 13.9.09 19:57, kommentieren

Verzweiflung und Wonne liegen in Stuttgart und bei Ikea Günthersdorf - also sehr weit auseinander

2 Erste Male.

Zum einen bin ich das erste Mal nicht nur eine weite Strecke allein mit dem Auto gefahren. Nein, das erste Mal bin ich auch in der Großstadt mit dem Auto gefahren.

Es war ziemlich schwer. Ich muss sogar zugeben dass ich fast verzweifelt bin. Aber ich habe es ganz allein geschafft und deswegen wollte ich partout kein Elternteil neben mir sitzen haben. Damit ich das von mir sagen kann.

Ich habe tatsächlich fast gequäkt, aber einen Kommentar zu Stuttgarter Straßen wollt ihr vermutlich nicht hören. Wenn man, wie ich, vom Land kommt ist das erste Mal mit dem Auto in der Großstadt vermutlich immer ein Desaster. Ich bin nun einmal die langen, wahnsinnig gut beschilderten Straßen gewöhnt. Und natürlich gibt es hier lange nicht so viele Autos auf den Straßen. Und da ich quer durch die Stadt musste, und ich noch nie vorher auf passierende Straßenbahnen, und Umwelt-Zonen achten musste, war das ganze für mich eine ziemliche Reizüberflutung. Apropos, ich wurde geblitzt. Und ich hatte wirklich so einiges mehr drauf, als ich hätte sollen.
Das war das erste erste Mal gestern.

Das zweite erste Mal war heute. Ich wurde ent-ikea-jungfert. Und die Leute haben alle recht. Ikea-Hotdogs sind echt superlecker. Und die sind verrückt die Bleistifte so offen liegen zu lassen.

Und das Zeugs dort ist alles so toll. Ich freu mich schon richtig wenn ich ausziehe. Ich werde zwar für de Anfang das Meiste von meinem Zeug behalten müssen, aber wenigstens ein neues Bett will ich haben.
Ich habe nämlich mit 23 Jahren immer noch ein Einzelbett, und zwar ein relativ kleines. Es ist ein ehemaliges Doppelstockbett, dass ich mit 6 Jahren bekommen habe. Und ich finde nach nunmehr 17 Jahren wird es Zeit dass ich ein ordentliches Bett für eine Erwachsene bekomme.

Ausgelesen: "The Rum Diary" von Hunter S. Thompson
"Angefangen: "John Sinclair - Die Farben der Finsternis" von Jason Dark *schäm*

3 Kommentare 19.9.09 00:04, kommentieren