Das Kreuz mit der Political Correctness

Eine Frage zur öffentlichen Diskussion und eine kleine Geschichte dazu:

Zuerst die Geschichte:
Klein-Desi sah zum ersten Male jemanden mit einer Hautfarbe die sich von ihrer deutlich unterschied. Aufgeregt fragte sie ihre Großmutter:
"Omi, was is denn das für ein Mann?"
und Omi antwortete:
"Das ist ein Mohr. Die haben so schwarze Haut."

Man verzeihe diese naive Frage aber da wo Klein-Desi herkommt, sieht man das nicht so häufig.

Ein paar Jahre später, ich war aber immer noch Klein-Desi, ging ich mit meiner Mutter durch die Stadt, und ich erkannte einen "Mohren" auf der anderen Straßenseite.
Aufgeregt schrie ich:
"Mutti, guck mal da ist ein Mohr."
Meine Mutter hielt an, schaute ernst zu mir herunter, ich glaube mich zu erinnern dass sie sich sogar herunterbückte und sagte:
"Klein-Desi, so was darfst du niemals wieder sagen. "Mohr" darf man nicht sagen. Das ist ein böses Wort. Das heißt Neger."

Wieder Jahre später, ich war inzwischen die nicht mehr ganz so kleine Desi, sah ich einen Bauarbeiter der "Neger" war.
Auch hier wurde ich wieder aufgeklärt von meiner Mutter. "Neger" würde man nicht mehr sagen. Das wäre beleidigend. Man würde jetzt Schwarzer sagen.

Überflüssig zu erwähnen dass einige Jahre später auch das Wort "Schwarzer" ein Wort non grata war. Es solle Farbiger heißen.

Ich persönlich benutze dieses Wort, weil damit alle Hautfarben gemeint sein können, also auch Menschen mitgemeint sind die beispielsweise lateinamerikanischer Herkunft sind. Ich denke auch mit diesem Wort. Damit gebe ich mich wohl als Faschistin zu erkennen. Denn natürlich wird auch dieses Wort nicht mehr benutzt weil es natürlich total verletzend ist....ist ja klar.

Heute sagt man Afrodeutscher! Die Erfindung dieses Wortes wurde lange für einen Geniestreich gehalten, es klingt gewählt, ich würde fast sagen gespreizt, und wurde bis heute noch nicht negativ besetzt.
Überraschend ist das nicht. Wer einen Neonazi schon einmal hat schimpfen hören weiß dass da Plattitüden wie "Scheiß Kanaken" kommen und nicht "Scheiß Afrodeutsche. Die Afrodeutschen nehmen uns alle Arbeitsplätze weg."

Natürlich hat es dieses Wort geschafft bis heute nicht negativ besetzt zu werden. Weil einfach keiner das Wort benutzt. Genausowenig wie jemand Latinodeutscher, oder Asiendeutscher sagt. Es klingt eher nach einem Beamten als nach Volksmund.

Das Kreuz mit der Political Correctness ist eben dass sich die Gedanken der Menschen ändern müssen. Egal welches Wort wir uns einfallen lassen. Wenn schlecht über die Menschen zu dem es gehört gedacht wird, wird es auch immer wieder negativ besetzt werden. Das ist eine unumstößliche Wahrheit, die jeden Tag empirisch bewiesen wird.
Und dennoch stößt mir täglich auf, dass meine Klassenkameraden das Wort "Neger" in den Mund nehmen. Man setzt es doch auch zu leicht mit dem amerikansichen "Nigger" gleich, was in Amerika zwar ein gebräuchliches Wort ist, allerdings nur im Wortschatz FARBIGER. Ein Weißer darf es nicht benutzen. Das ist faschistisch.
Ich werde mit sehr seltsamen Blicken bedacht wenn ich äußere dass sie sich bitte anders ausdrücken sollen. Vermutlich kennen die gar kein anderes Wort - für die gehört das zur Normalität.

Meine Frage ist nun: Welches Wort ist das Richtige? Bei welchem Wort brauche ich mich nicht als Anachronismus der Geschichte fühlen. Muss ich mir ein eigenes Wort ausdenken? Denn FARBIG, auch wenn ich mit diesem Wort denke, mag mir auch nicht richtig gefallen. Farbig und weiß, klingt als ob es zwei verschiedenen Arten von Mensch gibt. Und das ist nicht der Fall. Es klingt als ob 80% der Welt in einen Topf gehören, und wir etwas anderes sind - egal ob besser oder schlechter.
Und da wir nun einmal (Achtung Plattitüde) alle Menschen sind fühlt sich das auch irgendwie falsch an. Oder bin ich inzwischen selbst eine Gefangene der Political Correctness?

12.2.09 22:23

Letzte Einträge: Interview mit einer unehrenhaften Frau, Horrorstories 1, Die Anfänge, And now for something completely different, Weiter geht's!, Endlich zum Schluss kommen

bisher 10 Kommentar(e)     TrackBack-URL


ff (13.2.09 22:18)
farbig is iwie bescheuert... die sind ja nicht bunt
und wie so eine schöne postkarte sagt, sind wir viel öfter andersfarbig (rot, blau, grün, bleich...) als die "afrodeutschen"
ich nenne sie schwarze
wenn man das äußere beschreiben will passt das für mich am ehesten
schwarz und weiß... warum nicht
genauso sagt man auch man hat gebräunte haut usw.
für mich ist schwarz nicht negativ besetzt und wenn ich es sage habe ich ein gutes gefühl, anders als bei neger, was für mich abwertend klingt, weil es eben, so wie bimbo oder mohr, eng mit dem früher üblichen rassismus verbunden ist
...
naja das ist meine meinung
ich denke du hast recht dass das wichtigste in den köpfen stattfindet

lg


lukrezia / Website (14.2.09 10:08)
schwarz und weiß klingt aber eben so gegensätzlich.....also es klingt vor allem nach schwarz-weiß-denken und ist für mich daher eben auch negativ besetzt.
Außerdem sind sie ja nicht tatsächlich schwarz.....(ich will jetzt mal nicht mit physik klugscheißen)

lg


/ Website (14.2.09 17:40)
Sterben ist ja auch nichts trauriges ^_^
Aber ja, Chaos trifft es gut.
Kreativ noch besser *grins*


kardoffel / Website (14.2.09 18:22)
hmmm er hatte ein aneurysma im gehirn.. bzw. es waren soweit ich weiß sogar 3. eins ist mehrere male aufgeplatzt... hoffe das reicht ? ^^


kardoffel / Website (14.2.09 20:38)
ja ist er auch. haben uns die ärzte auch immer wieder gesagt. innerhalb von den ersten zwei wochen wo er im krankenhaus war haben die ärzte gesagt er könnte jeden moment sterben, aber er hatte glück. er ist auf dem besten weg zur besserung ^^


Anne / Website (16.2.09 23:14)
Haha, "Mohr" kommt doch auch im "Struwwelpeter" (Kinderbuch) vor, falls du den kennst. Da wird so eine Verwirrung doch gleich ind die Kinderwiege mitgelegt. Neger halte ich für sehr Verletztend und "Kanacke" war doch eher das Wort für die Nord/Ost-Mittelmeerregion. Also Türkei, Italiener und Griechen. So hab ich das jedenfalls aufgeschnappt. Verwirrungen und Irrungen. Im Grunde kann man das nie richtig sagen.
Vielleicht solltest du einfach mal jemanden mit einer dunklen Hautfarbe fragen, wie er das empfindet.


chrissy / Website (17.2.09 22:14)
da schau ich nach langer zeit mal wieder hier vorbei und bekomm gleich solche fragen gestellt ^^
also ich finde das ehrlich gesagt ziemlich affig mit dem "oh du darfst nicht negerkuss sagen. das heißt schokoladenschaumkuss." ich meine, wenn ich gar nichts gegen leute mit anderer hautfarbe habe, weil es mir total egal ist wie aussehen, dann kann ich doch auch "neger" oder "farbiger" oder sonstwas sagen. weil es für MICH nicht schlecht besetzt ist. jeder weiß was gemeint ist und gut ist. außerdem sind ja nicht alle schwarze deutsch. also trift "afrodeutscher" ja schon mal nicht zu. genauso wie hier, in klein antalia. hier heißt es auch "die türken". und entweder meinen es die leute abwertend oder nicht. aber zu sagen "die türkischstämmigen mitbürger" ist dann auch zu doof. zu deutschen oder weißen sagt man überall auf der welt auch nicht grad politisch korrekte sachen. und solange man nicht gerade mit hochrangigen leuten zusammensitzt oder beim bewerbungsgespräch ist, ist es eben nur das: politisch korrekt. umgangssprache ist eh immer anders. demnach dürfte man nicht sagen "das kommt mir spanisch vor" oder "chinesisch rückwärts". wenn man es so eng sehen will ,ist die ganze welt ein einziger intoleranter haufen. was sie vermutlich sogar ist. für mich heißt es schwarzer, weil es eben auch weißer heißt. aber am politsch korrektesten wäre:
mensch.


Michi (21.2.09 22:01)
hey,

also ich nenne das teil "dickmann" ;-) so hab ich das jedenfalls gelernt...

und zu der bezeichnung "farbige" ist mir als erstes eingefallen, dass wir doch auch farbig sind. genauso, wie die schwarzen nicht schwarz sind, sind wir auch nicht weiß. ich bin zum beispiel gerne mal irgendwie gelblich und ansonsten halt so "hautig" bis braun. und das sind die meisten hier in der gegend, würde ich mal sagen. und ich sage meistens "schwarzer", weil ich gelernt habe, dass das in ordnung ist. dass das inzwischen negativ besetzt ist, habe ich noch gar nicht mitbekommen.
und wenn wir einmal bei dem thema sind, hab ich auch mal ne frage: also ich scheine auf bahnhöfen das interesse solcher *schwarzen* leute förmlich anzuziehen und ständig quatscht mich da jemand an und so. also ich meine, das ist ja okay und ich bin nett zu denen, aber die wollen echt IMMER meine handynummer haben. bei den ersten beiden (die zwei hab ich direkt hintereinander getroffen - kaum war der eine weg, war der andere da und ich dacht, es wäre der selbe, weil ich sie nicht auseinanderhalten kann ) hab ich den fehler gemacht und sie ihnen gegeben, weil ich halt meine probleme habe, "nein" zu sagen, aber das war echt blöd, weil die mich heute noch anrufen und mich fragen, ob wir uns treffen wollen und so. das ist echt ätzend. wie geht man denn mit so jemandem um? also die meinen das ja nicht böse, das ist eben deren mentalität, aber das geht einfach zu weit... andererseits sind wir deutschen ja gleich alle rassistisch, wenn man jemanden abweist oder nicht mit ihm redet. naja, inzwischen bin ich zum glück nicht mehr so oft auf bahnhöfen, aber wenn doch, kann man praktisch drauf warten, dass sowas passiert...

lg


lukrezia / Website (21.2.09 22:26)
du bist ja verrückt! du hast denen die nummer gegeben? das hätt ich nicht gemacht. sag doch einfach dass du dich nicht treffen willst. im notfall kannste ja auch erzählen du hättest einen freund oder so. aber versteh schon - solhe typen lassen nicht locker. wenn ich mal auf nem bahnhof bin werd ich auch immer angequatscht.....
die reden echt jeden an....der jung und weiblich ist......
naja oder du speicherst die nummer unter nem bestimmten namen und immer wenn dir der name dann angezeigt wird gehst du net ran....

lg


Michi (22.2.09 13:02)
ja, ich gehe auch nicht ran und auf sms antworte ich natürlich auch nicht, aber die unterdrücken auch gerne mal ihre nummer und dann gehe ich eben völlig ahnungslos doch manchmal ran... naja, seit dem hab ich auch keinem mehr meine nummer gegeben. aber es nervt trotzdem. und wenn mich ein deutscher (ich weiß, so eine unterscheidung in deutsch und schwarz klingt jetzt blöd, aber du weißt schon, wie ich es meine) höflich nach der uhrzeit fragen würde, würde ich auch auskunft geben. nur sind deutsche eben nicht so aufdringlich. und wenn sie es doch sind, sind sie so primitiv, dass ich sie schon abweise und irgendwie loswerde. das ist aber bei den schwarzen problematisch... ach keine ahnung, aber im moment fahre ich eh meistens auto ;-)
ich lese übrigens gerade dein 2. kapitel und wenn ich fertig bin, sage ich was dazu...

lg

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