Faschismus im Schwabenland

Was wir auf unserer Wohnungssuche festgestellt haben ist, das Schwaben Faschisten sind. Na gut, Faschisten vielleicht nicht, aber doch Ausländerfeinde.

Wenn ich dort mit meinem Kiwi aufgekreuzt bin waren alle noch superfreundlich und hatten ein breites Lächeln auf dem Gesicht. Sobald er den Mund aufgemacht hat ist Ihnen das Lächeln förmlich aus dem Gesicht gefallen und sie waren auch gleich weniger freundlich. Fragen wurden nicht mehr gestellt, weil von dort an klar war dass wir nicht das Paar der Wahl sind. Sie haben teilweise alleinstehende, arbeitslose Raucher vorgezogen.

Teil offen teils unausgesprochen stand dabei die Frage im Raum: "Und was wenn er es sich in 3 Monaten anderes überlegt und nach NZ zurückgeht?" Die Antwort dass ich allein der Mieter bin (offiziell) und die Miete von meinem Konto abgeht ließen sie nicht gelten.

Außerdem musste ich mir sagen lassen dass Schwaben sehr oberflächliche Menschen sind. So legen sie wert darauf dass man mit eleganter Kleidung zur Besichtigung kommt und am besten mit einem teuren Wagen vorfährt - und selbst wenn dieser nur für einen Tag gemietet wird. So hat es beispielsweise der arbeitslose Raucher gemacht. Unser Fehler war also ebenfalls dass wir dort in normalen Klamotten ufgetaucht sind. Mein Kiwi sowieso aus Ermangelung einer anderen Garderobe. Das heißt wir sahen aus wie ein Pärchen Mitte 20 das wir ja auch sind, aber wir sahen eben nicht aus wie der Mann aus der Shampoowerbung und eine Beraterin der Kreisparkasse Chemnitz.

Aber dies alles habe ich mir für die beste und finale Wohnung zu Herzen genommen. Ich kam allein und wie zum Bewerbungsgespräch angezogen. Das kam tatsächlich gut an. Ich hatte sogar die Möglichkeit ein anderes junges Pärchen zu verlachen denen die hilfreichen Tipps wohl noch nicht geben wurden. Dies las ich an einem fehlenden Hosenanzug ab.
Jetzt, so habe ich gelernt, ist die Phase des Beeindruckens vorüber, und ich darf wieder rumlaufen wie ein normaler Mensch.

Dennoch ist es sehr bedenklich dass mein Freund am liebsten nicht mit einziehen soll (bei den Urschwaben) nur weil er nicht von dort kommt. Und es nervt mich wirklich, mir immer anhören zu müssen (von Vermietern) dass er jeden Moment wieder weg sein könnte, weil das ja das ist was Ausländer tun. Sie suchen sich eine Deutsche zum Aushalten und verschwinden dann schnell. Hätte nur noch das Vorurteil gefehlt dass er mich wegen des deutschen Passes wegen heiraten will.
Ja, also mein Kiwi will hier nicht den deutschen Pass um dann gleich abzuhauen und nie wieder zu kommen. Das macht nämlich keinen Sinn.

Und natürlich habe ich beim Erstanruf auf die Annonce auch keine Lust zu fragen ob es in Ordnung sei dass mein Mitbewohner kein Deutscher ist. So als ob das etwas schlimmes ist dass man vorher dringend abklären sollte. Nach dem Motto: "Ich halte mir eine bissige Boa constrictor, ich hoffe das geht klar."
Zum Glück gibt es aber auch noch verünftige Menschen die uns ein Dach über dem Kopf bieten OBWOHL mein Lebensgefährte kein Deutscher ist.

"Echt Abgefahren" von Danilo Elia

5.4.10 11:49

Letzte Einträge: Interview mit einer unehrenhaften Frau, Horrorstories 1, Die Anfänge, And now for something completely different, Weiter geht's!, Endlich zum Schluss kommen

bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Andreas / Website (5.4.10 13:12)
Hm, schwierig. Es gibt in vielen Gegenden eine latente Ausländerfeindlichkeit. Ich habe das allerdings bei "meinen" alten Leuten nicht beobachtet. Die sind zu sehr Menschen dafür. Liebevolle Menschen. Danke für deinen supernetten Eintrag bei mir. Liebe Grüße!

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)

Die Datenschuterklärung und die AGB habe ich gelesen, verstanden und akzeptiere sie. (Pflicht Angabe)


 Smileys einfügen