Kurzgeschichten

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Vergangenes Jahr, als ich anfing mich für das Thema zu interessieren, hätte ich nicht zu hoffen gewagt dass ich hier landen würde. Keiner hätte es erwartet, am wenigsten ich selbst. Aber nun ist es doch so weit. Es hat alles geklappt wie ich mir das gewünscht habe. Sie hat mich gefragt und ich hab ja gesagt. Einfach so. Ich habe nicht einmal damit gerechnet. Zumindest noch nicht. Ich war noch gar nicht genug vorbereitet. Obwohl man das wohl nie sein kann.
Vor einem Jahr nämlich, habe ich beschlossen kein Versager mehr zu sein. Ich habe beschlossen dass ich mir helfen lassen würde. Nicht nur weil ich Frauen wie sie abschleppen wollte. Nein, ich tat es auch für mich. Und meine das nicht so, wie es die wimmernden, von Selbsthass zerfressenen Weiber vor einer Schönheits-OP sagen. Ich tue es wirklich für mich.

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1 Kommentar 18.2.08 18:26, kommentieren

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Und wie ich hier in meiner heiligen Küche sitze sehe ich meine Offenbarung. Meine Augen fliegen darüber als würden die Buchstaben von hinten nach vorne vernichtet und ich müsste sie noch schnellstens erhaschen und gefangen halten in meinem Kopf. Man kann ja nie wissen wem man sie mal wiedergeben muss, wenn die Erde am Rande eines atomaren Superschlages fast vollkommen vernichtet ist. Dann ist es doch gut, die Offenbarung bei sich zu tragen und wiedergeben zu können. Wenn schon die Front so gar nicht hart ist, und sich falten und knicken lässt und sich schäbig machen lässt wie bei den Leseratten in den amerikanischen TV-Serien dann fühlt man sich sofort inspiriert drauf loszulesen. Und wenn man sieht wie weit man kam, und damit prahlen kann nicht mehr auf der ersten Seite zu sein, dann hat man schon alles was man wollte. Schon im Kindergarten war es doch wirklich wunderbar wenn die alte Dame kam, und um uns Geschichten vorzulesen, das Buch in der Mitte aufschlug. Ein Buch bestand nur aus einer Mitte.

Und was könnte besser zu einem abgegriffenen Buch passen als eine Küche als Leseort, in der kein Möbel zum anderen passt. Ja, die Klasse der 68er.
Und wenn die Wörter einen so tief erreichen das man glaubt jemand würde einem glauben. Und wenn man die Geschichte so ungewöhnlich liest dass selbst ein normales Schicksal zum Hafen wird, dann hat man es geschafft. Leider sind gerade diese Wunder mit hässlichen Titeln versehen. Gute Autoren haben kein Händchen für so etwas.

Der Teekessel pfeift und warnt mich, meine Lektüre kurz beiseite zu legen, obwohl er doch genau weiß dass ich nicht kann. Ja der Teekessel gehört in eine angehende Hippieküche wie ein VW-Bus zur ganzen Bewegung.
Mich befriedigt das alles. Mich befriedigt der Blick auf die Anzahl meiner prächtigen Kinder die auf dem Schrank lauern – manche lauern darauf dass ich sie zum ersten Mal anschaue. Aber zunächst genügt eines. Und jedes Buch dass ich verschlinge macht mich zwar nicht klüger aber liebenswerter ohne Grenzen. So dass man gar nicht sagen kann was man alles geben möchte. Das macht jedes einzelne Buch.
Und sowieso denkt sich jeder dabei schon bekannte Sachen oder Umstände. Das eigene Haus, das einer befreundeten Familie oder der örtliche Friedhof. Denn wer kann sich schon ganz neues ausdenken. Und davon leben Bücher.
Sie leben von dem Umstand dass wir alles schon kennen was in ihnen steht und nur vergessen haben was wir nicht mehr wissen wollten damit Platz ist für Dinge die wir einst für erstrebenswert hielten wie den goldenen Westen.
Der goldene Westen mit seinen goldenen Büchern, von welchen ich gerade eines lese. Und die goldenen Vögel fliegen durch meine gülden schimmernde Küche und versuchen mich an meinen Haaren zu ziehen auf dass ich zum Fenster komme und mir den goldverfärbten Himmel anschaue.
Nur weil heute ein Tag ist, der nicht gestern ist. Ich schaue auf meinen Küchentisch. Der Teekessel pfeift immer noch und ich habe die Mitte erreicht. Aber die Offenbarung ist noch nicht vorüber. Auf dass ich im Bunker alles erzählen kann.

1 Kommentar 27.9.07 18:22, kommentieren

Die Geschichte einer Schere

Ich habe diese Schere schon seit so vielen Jahren. Ja, ich hätte euch gerne meine über alles geliebte Bastelschere mit dem türkisen Griff gezeigt mit dem weichen Plaste, aber die war eines Tages verschwunden und ich musste mir eine Neue suchen.

So ganz ohne Schere lässt sich ja nicht leben. Also sollte es diese werden, und ich möchte euch ihre Geschichte erzählen. Sie kam zu mir in der 9. oder 10. Klasse. Es ist also schon etwas länger her.
Sie kam nicht ganz neu zu mir. Um genau zu sein war es eine Second-Hand-Schere von meiner Schwester. Ich wusste was man über geschiedene Leute sagt aber es war mir egal. Ich brauchte eine Schere und sie sollte es sein.

Ich musste etwas für die Schule basteln und meine war erst kurze Zeit zuvor verschwunden. Für immer verschwunden - aber das wusste ich damals noch nicht. Ich sehnte mich nach dem verlorenen Gut aber was half es. Ich musste mich doch in mein Schucksal fügen. Und so ließ ich mich vom rot glänzenden PVC bezirzen.

Viele Jahre hindurch umfasste ich diesen Griff mit schweißigen Händen und viele Jahre mussten sich die scharfen Klingen durch Klebstoff mit Papier schneiden. Über die Jahre nutzte sie sich ab. Aber immer ohne ihre bezaubernde Funktionalität zu verlieren.

Wie oft warst du in anderen Händen, mein kleines Goldstück. Wie oft haben andere die Ihren vergessen. Aber du warst immer da und jeder wusste es.

Letzte Woche erst musstets du dich durch eine Cola-Flasche schneiden und hast deinem Peiniger in den Daumen geschnitten. Wie sehr musstets du mit dir schimpfen lassen aber ich lächelte hemlich und stolz. Und wie bewundert haben dich alle als du dich am Freitag durch ein Herz schneiden musstest. Ob Schweineherz, ob Ziegenherz du hast sie alle bewältigt.
Und die Welt im Klassenraum schaute allein auf dich. Und ich in der letzten Reihe, deine stolze Besitzerin die dich anfangs so stiefmütterlich behandelte.
Ja ich gestehe es, ich denke noch immer mit wehmütigen Sinnen an meine geliebte Schere der ersten Klasse mit dem glänzenden türkisen Griff, der in meinen Gedanken immer noch mehr glänzt als deiner.

Aber deine Dienste werde ich dir nie vergessen. Du gehörst, obwohl eigentlich nur von meiner Schwester entliehen, schon seit vielen Jahren in Wirklichkeit mir. Es ist nicht offiziell aber eine geheime Absprache zwischen mir und deinen geschwungenen Rundungen.



Und das bist du treuer Engel.

2 Kommentare 28.4.07 19:11, kommentieren

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Jeden Tag, aber auch wirklich jeden, das selbe Schauspiel. Unsere Kleine kam herein. Die Tür stand wie immer offen, und alle schmatzen laut ihr Kantinenessen und bemerkten meist nicht einmal dass sie den Raum betreten hatte. Aber sobald sie es merkten, drehten sich alle Köpfe zu ihr. Sie war nicht so besonders schön. Sie sah eher aus, wie eine Bürokauffrau eben aussieht. Alles an ihr war normal. Sie selbst war außergewöhnlich. Aber ihre Haut sah normal aus, ihre Kleidung sah normal aus, sie fuhr ein normales Auto, lebte in einer normal großen Wohnung, ihr Haar war normal strukturiert, die trug normales Parfum, und selbst ihre Atmung war normal. Aber irgendetwas musste sie wohl an sich haben, dass jeden Tag der Typ aus der Finanzbuchhaltung in Aktion trat. Es beginnt jedes Mal damit dass er zu ihr blinzelt, dann rückt er schon langsam seinen Stuhl in unsere Richtung, um dann abrupt aufzustehen und auf uns zuzusteuern.
Er fragt sie jeden Tag aufs neue, ob er mit ihr mal weggehen würde. Und sie sagt jedes Mal auf diese unheimliche kühle Art „Nein“ das man fast Angst vor ihr bekommt. Danach verlässt sie den Raum.
Eigentlich hat er Glück, denn „dieses Spiel“ überlebt selten ein Mann. Er hat Glück nicht durch ihre abendliche Gesellschaft bezirzt zu werden und am nächsten Morgen verliebt allein aufzuwachen. Die Neuen die am Tisch nebenan sitzen schauen schon sehr verdutzt. Aber auch sie werden sich bald an das tägliche Schauspiel gewöhnt haben. Aber wir können sie ja einfach fragen:

Wie fandet ihr das gerade?

Wow, der arme Junge. So eine Abfuhr wünscht man wirklich keinem. Obwohl ich ihn schon verstehe, und ich glaube ich spreche da auch im Namen der Anderen, dass er dieses Mädchen so toll findet. Sie hat schon irgendetwas. Es ist nicht ihre Schönheit. Sie sieht ja eher normal aus, aber irgendetwas in ihrer Ausstrahlung – sie hat einfach ein ganz besonderes Gesicht. Das sieht man gleich.
Aber wenn irgendjemand vorher Mut gehabt hätte, dann hätte er ihn jetzt verloren. Zu dumm dass sie ihn vor allen hat abblitzen lassen.
(Überlegung) :Obwohl es vielleicht auch an ihm lag. Hätte ich oder einer meiner Kumpels gefragt, naja … vielleicht hätte sie ja zugesagt. Wer weiß?


Wir wissen es… sag es ihnen….

Naja ich muss schon zugeben dass mir seine Aufmerksamkeit ziemlich gut gefällt. Aber ich weiß nicht… so im Betrieb. Wenn ich erst mal „die Nummer“ mit ihm abgezogen habe, dann kann ich auch nichts mehr ändern. Und unserer kollegialen Verbindung ist das auch nicht gerade zuträglich.
Es nervt mich auch nicht dass er jeden Tag fragt. Ich komme aber schon gar nicht mehr zum Essen runter. Ich will lediglich meine Unterschriften, damit die Anträge endlich raus können.
Tja, aber es ist auch wirklich seine Entscheidung. Heute waren ja schon wieder Neue da, die sich das ganze zum ersten Mal angeschaut haben. Die Armen werden sich noch wundern. Aber solange sie dabei still dasitzen und sich nicht einklinken, können sie das auch.

Wenn ich „Nein“ sag bleibt das vielleicht noch länger so, also dass er mich fragt….
Auch eine nette Bestätigung.


Also?

Ach so ist das! Na dann nehm ich zurück was ich gesagt hab. Typisch Weiber!

15.12.06 19:00, kommentieren

39/4

So, ich denke das wird der letzte Teil den ich als Ausschnitt aus einem anderen Roman von mir hier reinstelle....
Wer die Zusammenhänge schon erkennt, bekommt nen Super-Sonder-Preis.....ein Glas Marmelade oder so.....

Und übrigens auch das erste Mal dass ich die Weiterlesen-Funktion benutze....


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3 Kommentare 30.11.06 19:06, kommentieren