Monopoly-Haus-Syndrom

No-Read-Land East

Etwas ist wirklich bewunderswert an den Schwaben und überhaupt am gemeinen Wessi.

Während "Drüben" das Lesen von Büchern, besonders in der Öffentlichkeit, etwas seltenes war - gehört es hier einfach zum täglichen Leben dazu.

Vor einiger Zeit habe ich noch darüber nachgedacht eine eigene Kategorie aufzumachen nur für die Fressen die mich auf das Lesen angesprochen haben (und ich meine das wirklich nur nett) aber seit ich hier bin ist diese Idee in die ewigen Ideengründe eingegangen, sie atmet nicht mehr, begrabt sie denn sie ist tot.
Fast jeder holt hier zu jeder sich bietenden nGelegenheit ein Buch heraus und liest es.

Ich war früher etwas besonderes wenn ich im Park oder in der Schule saß und las, und ehrlich gesagt die wenigsten hatten Verständnis dafür. Ich habe meistens eher dumme Sprüche geerntet und würde für eine Langweilerin gehalten.
Aber hier steigt man in einen Zug ein (da besonders) und meistens lesen ALLE. Manchmal durrchsetzt von 1-2 Ausnahmen.

Über die Qualität der Bücher lässt sich sicherlich streiten. Quantenphysik in der Moderne ist meist eher weniger vertreten, dafür mehr Nicolas Sparks und Nora Roberts - naja man kann nicht alles haben.
Aber die Leute lesen. Immerhin.

3 Kommentare 11.9.10 16:20, kommentieren

Faschismus im Schwabenland

Was wir auf unserer Wohnungssuche festgestellt haben ist, das Schwaben Faschisten sind. Na gut, Faschisten vielleicht nicht, aber doch Ausländerfeinde.

Wenn ich dort mit meinem Kiwi aufgekreuzt bin waren alle noch superfreundlich und hatten ein breites Lächeln auf dem Gesicht. Sobald er den Mund aufgemacht hat ist Ihnen das Lächeln förmlich aus dem Gesicht gefallen und sie waren auch gleich weniger freundlich. Fragen wurden nicht mehr gestellt, weil von dort an klar war dass wir nicht das Paar der Wahl sind. Sie haben teilweise alleinstehende, arbeitslose Raucher vorgezogen.

Teil offen teils unausgesprochen stand dabei die Frage im Raum: "Und was wenn er es sich in 3 Monaten anderes überlegt und nach NZ zurückgeht?" Die Antwort dass ich allein der Mieter bin (offiziell) und die Miete von meinem Konto abgeht ließen sie nicht gelten.

Außerdem musste ich mir sagen lassen dass Schwaben sehr oberflächliche Menschen sind. So legen sie wert darauf dass man mit eleganter Kleidung zur Besichtigung kommt und am besten mit einem teuren Wagen vorfährt - und selbst wenn dieser nur für einen Tag gemietet wird. So hat es beispielsweise der arbeitslose Raucher gemacht. Unser Fehler war also ebenfalls dass wir dort in normalen Klamotten ufgetaucht sind. Mein Kiwi sowieso aus Ermangelung einer anderen Garderobe. Das heißt wir sahen aus wie ein Pärchen Mitte 20 das wir ja auch sind, aber wir sahen eben nicht aus wie der Mann aus der Shampoowerbung und eine Beraterin der Kreisparkasse Chemnitz.

Aber dies alles habe ich mir für die beste und finale Wohnung zu Herzen genommen. Ich kam allein und wie zum Bewerbungsgespräch angezogen. Das kam tatsächlich gut an. Ich hatte sogar die Möglichkeit ein anderes junges Pärchen zu verlachen denen die hilfreichen Tipps wohl noch nicht geben wurden. Dies las ich an einem fehlenden Hosenanzug ab.
Jetzt, so habe ich gelernt, ist die Phase des Beeindruckens vorüber, und ich darf wieder rumlaufen wie ein normaler Mensch.

Dennoch ist es sehr bedenklich dass mein Freund am liebsten nicht mit einziehen soll (bei den Urschwaben) nur weil er nicht von dort kommt. Und es nervt mich wirklich, mir immer anhören zu müssen (von Vermietern) dass er jeden Moment wieder weg sein könnte, weil das ja das ist was Ausländer tun. Sie suchen sich eine Deutsche zum Aushalten und verschwinden dann schnell. Hätte nur noch das Vorurteil gefehlt dass er mich wegen des deutschen Passes wegen heiraten will.
Ja, also mein Kiwi will hier nicht den deutschen Pass um dann gleich abzuhauen und nie wieder zu kommen. Das macht nämlich keinen Sinn.

Und natürlich habe ich beim Erstanruf auf die Annonce auch keine Lust zu fragen ob es in Ordnung sei dass mein Mitbewohner kein Deutscher ist. So als ob das etwas schlimmes ist dass man vorher dringend abklären sollte. Nach dem Motto: "Ich halte mir eine bissige Boa constrictor, ich hoffe das geht klar."
Zum Glück gibt es aber auch noch verünftige Menschen die uns ein Dach über dem Kopf bieten OBWOHL mein Lebensgefährte kein Deutscher ist.

"Echt Abgefahren" von Danilo Elia

1 Kommentar 5.4.10 11:49, kommentieren

Die woll'n mich nette

Ich war gestern bei der SCHUFA um mir eine Eigenauskunft einzuholen und mal abzuchecken wem ich denn angeblich Geld schulde, so dass mir ein echt tolles Handy entgeht.

Die Antwort war so einfach wie einleuchtend. Es gibt keinen SCHUFA-Eintrag. Es ist alles in Ordnung.
Das Problem das die Handy-Frau hatte war, dass ich bereits einen Vertrag mit einem anderen Anbieter habe. Da Vodafone mein I-net stellt will Debitel nix mehr mit mir zu tun haben.
Das geht aber nicht so einfach hahaha. Nicht mit mir.
Ich bin hin gegangen und habe eingefordert was mir zusteht.

Dort habe ich jemanden getroffen den ich dort nicht erwartet hätte. Der Mitarbeiter der wegen Inkompetenz und Betrugs fristlos entlassen wurde stand vor mir. Er teilte mir mit dass seine Kollegin da wohl etwas falsch verstanden hätte, er sehr wohl noch da arbeiten würde, und die Mitarbeiterin mir kompletten Stuß erzählt hätte. Das mit der Schufa wäre Quatsch, und auch das ganze andere Vertrags-Blabla. Also haben wir alles was sie geändert hat wieder zurückgeändert.

Ich habe so das Gefühl dass sich die Mitarbeiter dort untereinander nicht ganz grün sind.
Wenn ich wieder dorthin komme und die Frau wieder da ist wird die vermutlich wieder alles umändern und so weiter. Dabei wollte ich doch nur ein Scheiß-Handy haben. Nicht verwunderlich wo es sich doch um einen Handyshop handelt.
Ich hoffe das die kollegialen Streitigkeiten nicht weiterhin dafür sorgen dass ich mein altes kaputtes Handy benutzen muss.

Wie dem auch sei:
Der eigentliche Grund meines Eintrags ist ein ganz Anderer.
Mir ist etwas aufgefallen. Das konnte mir erst in Stuttgart auffallen da hier der Ausländeranteil natürlich viel größer ist als in meiner Mikro-Heimatstadt.
Wenn Türken Verkäufer in einem Geschäft sind, kommen auch ganz viele Türken als Kunden dorthin. Und nicht nur als Kunden, vor allem kommen sie als Kumpels. Da sitzen die den ganzen Tag in dem Laden rum und plaudern auf Türkisch. Man fragt sich ob in einem türkischen Freundeskreis generell nur einer arbeiten geht, und den anderen die Aufgabe zufällt ihn zu besuchen.
Und noch etwas ist mir aufgefallen und das stößt mir echt sauer auf.
Man muss förmlich um die Aufmerksamkeit dieser Verkäufer buhlen. Die sind so ins Gespräch mit ihren Kunden vertieft, dass man durch lautes "Hallo-Rufen" auf sich aufmerksam machen, und auch dann nur mit kurzen Antworten leben muss, wobei man kaum eines Blickes gewürdigt wird.
Das halte ich für keine besonders intelligente Verkaufsstrategie.
Ich habe dabei auch keinerlei Angst ausländerfeindlich zu klingen da ich jedem Kritiker mit empirischen Beweisen die Stirn bieten kann. So!

Jetzt sagt was!

Düdeldü

3 Kommentare 20.11.09 20:36, kommentieren

The Fast and the Furious

Ich finde manchmal dass das Verhalten vieler Menschen die meiste Zeit über an das erinnert das in der Notaufnahme an den Tag gelegt wird wenn ein schwerer Herzinfarkt oder ein Akutes Abdomen reinkommt der schnellstens einer Notoperation unterzogen werden muss.

Klingt nach einer einfach Wahrheit ist aber tatsächlich sehr witzig anzusehen. Die Lahmärschin in der Welt der Zeitraffer oder so ähnlich. Ich will keinen Vortrag halten darüber wie schnellebig alles in unserer Zeit doch ist...das wurde nun wirklich schon zum Erbrechen analysiert.
Ich will ganz praktische Beispiele geben. Die Beispiele die mich tagtäglich zum Lachen bringen. Das beste Beobachtungsobjekt ist da meine Mutter.

Zum ersten Mal bewusst geworden ist es mir als wir shoppen waren. Für mich eine sehr entspannende Tätigkeit. Ich laufe sicherlich auch Gefahr wie "die Frau mit dem grünen Schal" aus "Shopaholic" zu enden.
Sobald ich die Kabine mit dem neuen Kleidungsstück verlasse um mich von allen Seiten im Spiegel zu betrachten fängt es an.
Sofort springt ein Raubtier - meine Mutter - auf mich zu und setzt mir zu.
"Nimmst du die Hose jetzt?"
"Ich weiß noch nicht so recht."
"Also entscheide dich bitte jetzt. Also ja oder nein? Wir wollen noch weiter. Zieh sie schnell aus ich bring sie schon mal zur Kasse. Das geht schneller so."

Natürlich hier meine Frage:
"Ähm Mutter, haste noch was vor dass du son Stress machst?"
"Nööö wieso?"

Ja klar, was für eine abseitige Frage.

Monopoly mit meiner Mutter zu spielen bedeutet:
"Looooos! Du bist dran. Jetzt mach endlich. Wieso dauert das Geld zählen so lange?"

Kochen in der Küche meiner Mutter bedeutet:
"Loooos! Du musst das alles aufräumen. Jetzt sofort! Nicht erst wenn du fertig bist, sondern noch während des Kochens. Das muss wieder blinken wenn du fertig bist."

Und wenn etwas dreckig, nein leicht verunreinigt ist, dann muss es SOFORT geputzt werden. Die dreckigen Fenster müssen umgehend, also SOFORT geputzt werden. Auch wenn man einen Arzttermin hat, danach zur Arbeit muss und dann noch einen Kurs bei der Volkshochschule besucht. Da wird eben ein paar Stunden früher aufgestanden, statt das Putzen zu verschieben. Als wäre das ein fixer Termin und man hat keine Telefonnummer, bei der man durchklingeln könnte um den Termin abzusagen.

Ich komme nicht umhin zu gestehen dass ich das total unnormal finde.
Offen gestanden dachte ich immer das sowas ein Hilfeschrei ist.
Aber natürlich betreibe ich hier investigativen Journalismus höchster Güte und habe eine Umfrage unter meinen Freundinnen gestartet um mich rückzuversichern. Und wisst ihr was ich herausgefunden habe? Nämlich, dass das ein Mutter-Phänomen ist. Meine Freundinnen denken wie ich, deswegen sind wir vermutlich befreundet, aber ihre Mütter sind haargenau wie meine.
Das ist gruselig. Machen das nur Mütter oder auch Nicht-Mütter? Ich habe ja nur Töchter gefragt. Aber keine Frau im Alter meiner Mutter die keine Mutter ist.
(Memo an mich selbst: Klären ob ich so jemanden überhaupt kenne!)
Ich habe aber die begründete Hoffnung dass ich anders bin. Ich hab einfach kein Hektik-Gen. Das ist bei meiner Geburt verschwunden. Vielleicht lag es is vor kurzem noch im Kreißsaal des Naumburger Krankenhauses. Jetzt auf jeden Fall nicht mehr da dieser renoviert wurde.
Also wer ein nie gebrauchtes Hektig-Gen braucht sollte sich an die Schutt-Sammelstelle seines Vertrauens melden (nur Kreis Naumburg).
Und außerdem habe ich ein heimliches Anti-Stress-Mantra dass ich mir im Geiste immer mal wieder vorspreche. Und das geht so:
"Wenn du (also ich) jemals an einem Herzinfarkt stirbst, wurde dieser garantiert nicht durch Dysstress ausgelöst."
Toll oder? (Und ist euch mal aufgefallen dass im Wort Dysstress verdammt viele "s" sind. Das sind ja fast vier.)
Ist toll so ein Mantra. Sollte sich jeder zulegen. Aber Achtung. Du findest dein Mantra nicht selber. Dein Mantra wird dich finden. Ist meine Erfahrung.

Also....Düdeldü *Hut zieh*

6 Kommentare 24.3.09 15:51, kommentieren

Das Kreuz mit der Political Correctness

Eine Frage zur öffentlichen Diskussion und eine kleine Geschichte dazu:

Zuerst die Geschichte:
Klein-Desi sah zum ersten Male jemanden mit einer Hautfarbe die sich von ihrer deutlich unterschied. Aufgeregt fragte sie ihre Großmutter:
"Omi, was is denn das für ein Mann?"
und Omi antwortete:
"Das ist ein Mohr. Die haben so schwarze Haut."

Man verzeihe diese naive Frage aber da wo Klein-Desi herkommt, sieht man das nicht so häufig.

Ein paar Jahre später, ich war aber immer noch Klein-Desi, ging ich mit meiner Mutter durch die Stadt, und ich erkannte einen "Mohren" auf der anderen Straßenseite.
Aufgeregt schrie ich:
"Mutti, guck mal da ist ein Mohr."
Meine Mutter hielt an, schaute ernst zu mir herunter, ich glaube mich zu erinnern dass sie sich sogar herunterbückte und sagte:
"Klein-Desi, so was darfst du niemals wieder sagen. "Mohr" darf man nicht sagen. Das ist ein böses Wort. Das heißt Neger."

Wieder Jahre später, ich war inzwischen die nicht mehr ganz so kleine Desi, sah ich einen Bauarbeiter der "Neger" war.
Auch hier wurde ich wieder aufgeklärt von meiner Mutter. "Neger" würde man nicht mehr sagen. Das wäre beleidigend. Man würde jetzt Schwarzer sagen.

Überflüssig zu erwähnen dass einige Jahre später auch das Wort "Schwarzer" ein Wort non grata war. Es solle Farbiger heißen.

Ich persönlich benutze dieses Wort, weil damit alle Hautfarben gemeint sein können, also auch Menschen mitgemeint sind die beispielsweise lateinamerikanischer Herkunft sind. Ich denke auch mit diesem Wort. Damit gebe ich mich wohl als Faschistin zu erkennen. Denn natürlich wird auch dieses Wort nicht mehr benutzt weil es natürlich total verletzend ist....ist ja klar.

Heute sagt man Afrodeutscher! Die Erfindung dieses Wortes wurde lange für einen Geniestreich gehalten, es klingt gewählt, ich würde fast sagen gespreizt, und wurde bis heute noch nicht negativ besetzt.
Überraschend ist das nicht. Wer einen Neonazi schon einmal hat schimpfen hören weiß dass da Plattitüden wie "Scheiß Kanaken" kommen und nicht "Scheiß Afrodeutsche. Die Afrodeutschen nehmen uns alle Arbeitsplätze weg."

Natürlich hat es dieses Wort geschafft bis heute nicht negativ besetzt zu werden. Weil einfach keiner das Wort benutzt. Genausowenig wie jemand Latinodeutscher, oder Asiendeutscher sagt. Es klingt eher nach einem Beamten als nach Volksmund.

Das Kreuz mit der Political Correctness ist eben dass sich die Gedanken der Menschen ändern müssen. Egal welches Wort wir uns einfallen lassen. Wenn schlecht über die Menschen zu dem es gehört gedacht wird, wird es auch immer wieder negativ besetzt werden. Das ist eine unumstößliche Wahrheit, die jeden Tag empirisch bewiesen wird.
Und dennoch stößt mir täglich auf, dass meine Klassenkameraden das Wort "Neger" in den Mund nehmen. Man setzt es doch auch zu leicht mit dem amerikansichen "Nigger" gleich, was in Amerika zwar ein gebräuchliches Wort ist, allerdings nur im Wortschatz FARBIGER. Ein Weißer darf es nicht benutzen. Das ist faschistisch.
Ich werde mit sehr seltsamen Blicken bedacht wenn ich äußere dass sie sich bitte anders ausdrücken sollen. Vermutlich kennen die gar kein anderes Wort - für die gehört das zur Normalität.

Meine Frage ist nun: Welches Wort ist das Richtige? Bei welchem Wort brauche ich mich nicht als Anachronismus der Geschichte fühlen. Muss ich mir ein eigenes Wort ausdenken? Denn FARBIG, auch wenn ich mit diesem Wort denke, mag mir auch nicht richtig gefallen. Farbig und weiß, klingt als ob es zwei verschiedenen Arten von Mensch gibt. Und das ist nicht der Fall. Es klingt als ob 80% der Welt in einen Topf gehören, und wir etwas anderes sind - egal ob besser oder schlechter.
Und da wir nun einmal (Achtung Plattitüde) alle Menschen sind fühlt sich das auch irgendwie falsch an. Oder bin ich inzwischen selbst eine Gefangene der Political Correctness?

11 Kommentare 12.2.09 22:23, kommentieren